Ich habe in den letzten Wochen einige Gespräche geführt. Ein Tenor war: Das vergangene Jahr fühlte sich an wie eingefroren. Eingefroren in unproduktiver Unsicherheit.
Insbesondere der KI-Hype trug dazu bei, dass kaum jemand wusste, in welche Richtung es nun gehen würde. Superintelligenz, die uns alle vernichtet, oder nur ein neues Werkzeug im Repertoire kompetenter Mitarbeiter?
Es hilft nichts, wir müssen weitermachen.
Aber wie?
In Situationen, die so komplex und unüberschaubar sind, zu denen uns vielleicht auch Erfahrung fehlt, hilft es, Annahmen über die Zukunft zu treffen.
Ich selbst war in dieser unproduktiven Blockade. Ich war verunsichert, weil ich dachte, dass Softwareentwicklung künftig komplett von KI erledigt wird. Die Zusammenarbeit mit Entwicklern und die aktive Arbeit daran, ihre Leistungsfähigkeit zu stärken, machen mir einfach Freude.
Was sollte ich denn nur tun?
Irgendwann konnte ich mich durchringen, und habe folgende Annahmen über die Zukunft bis 2028 aufgestellt:
- Die Zahl der Digitalprojekte wird stark zunehmen, auch aufgrund der Tatsache, dass plötzlich jeder einen ersten Prototypen bauen kann. Diese müssen in Unternehmensarchitekturen eingebunden werden.
- KI ist ein Werkzeug, im besten Fall auf dem Niveau eines Junior- bis mid-level Entwicklers. Um sinnvolle und nachhaltige Lösungen zu entwickeln, braucht es erfahrene Entwickler und Architekten.
- Die Integration von KI-Services in Entwicklungsprozesse und produktive Systeme war 2025 spottbillig. Wie Dealer haben die KI-Unternehmen ihre Konsumenten abhängig gemacht. Die Preise werden steigen müssen, wodurch menschliche Arbeit bleiben wird. KI wird entweder Unmengen an boilerplate Code ausspucken, oder für spezielle Herausforderungen genutzt. Eine 100%-KI-Entwicklung sehe ich nicht.
- Menschen wollen mit Menschen arbeiten. Auch wenn KI immer nett und freundlich wirkt, der Mensch zählt. Hinzu kommt: KI wird auf Sicht nicht den nötigen Kontext haben, die wirklich relevanten Entscheidungen zu treffen.
- Generative KI innoviert nicht. Mittlerweile betrachte ich generative KI wie einen Zettelkasten (LINK LUHMANN) der Menschheitsgeschichte. Es lassen sich Verbindungen knüpfen, die uns nicht direkt zugänglich waren. Das wirkt auf manche wie Innovation, aber außer der ein oder anderen Halluzination entstand nichts Neues. Wirkliche Innovation benötigt die menschliche Fähigkeit, Perspektiven einzunehmen und Probleme im Kontext zu verstehen.
Diese und andere Annahmen haben mir geholfen, der Unsicherheit den Schrecken zu nehmen, und mir Klarheit zu verschaffen. Natürlich kann ich falsch liegen. Sollte das so sein, werde ich das merken.
Bis dahin bin ich aber handlungsfähig und kann meine Stärken einbringen.
Wie seid ihr mit der allgemeinen Verunsicherung des letzten Jahres umgegangen? Oder hat es euch überhaupt nicht betroffen?